Anleitung für das “Häxehüsli”
Seit ein paar Jahren verfüge ich, zusammen mit meinen Freunden Kurt und Giuseppe, über freien Zugang zu einem kleinen Häuschen in den Bündner Bergen. Genauer gesagt liegt das Haus in der Surselva, nämlich etwas oberhalb der Gemeinde Surcuolm auf ziemlich genau 1500 M.ü.M. Surcuolm liegt unter dem Piz Mundaun, auf seiner Nordseite. Dieser ist an das Skigebiet von Obersaxen angeschlossen. Da es sich um einen Nordhang handelt, ist das Gebiet leider etwas schattig. Auf der Karte hier ist es mit einem roten Kreis markiert.
Dieses Haus ist sehr bescheiden. Es verfügt über keine Anschlüsse an die öffentliche Infrastruktur wie Wasser und Strom. Stattdessen hat es für diese Zwecke eigene Konstruktionen. Diese sind zwar durchaus nützlich und zweckmässig, allerdings benötigen sie ein paar Erklärungen. Besonders erstmalige Benützer sollten die folgenden Anleitungen studieren und befolgen, um ihren Aufenthalt dort so angenehm wie möglich zu gestalten.
Freunde und Bekannte von Kurt, Giuseppe und mir können sich melden, falls sie Interesse an einem Aufenthalt in diesem netten kleinen Ferienhäuschen haben. Der Termin muss mit einem von uns abgesprochen werden und dort kann man auch den Schlüssel beziehen. Nach den Ferien müssen die Schlüssel natürlich wieder an dieselbe Person zurückgegeben werden.
Hier noch passende Links auf die interaktiven Karten von map.search.ch und Google Maps.
Ankunft im Haus
Gepäckbeförderung
Im Sommer anzureisen ist natürlich bequem, weil man mit dem Auto bis vors Haus fahren kann. Im Winter allerdings funktioniert das nicht, weil der Schnee auf der Zufahrtsstrasse nicht weggeräumt, sondern im Gegenteil als Skipiste genutzt wird. Meistens kann man immerhin bis ans obere Ende des Dorfes fahren und dort das Auto abstellen. Von dort aus muss man dann sein Gepäck selber über die Piste ungefähr einen Kilometer weit nach oben schleppen, oder man lässt es sich transportieren. Es gibt ein oder zwei Leute im Dorf, die einen Schneetöff haben und diesen kann man hervorragend dazu benutzen, Gepäck vom Dorf in die Hütte zu fahren und auch wieder zurück. Wir haben Bekanntschaft gemacht mit Frau Roth. Ihre Handy-Nummer ist 079 579 77 43. Wenn man Sie kurz vorher anruft, dann tut sie für ein kleines Entgelt ihr möglichstes. Sie hat einen Bauernhof und sie verkaufen ausgezeichnetes Fleisch, das kann man telefonisch bestellen und abholen oder sie bringt es mit ihrem Schlitten gleich mit.
Inbetriebnahme der Wasserversorgung
Das Haus verfügt über einen Wasseranschluss, der sich an der Aussenwand, bei der Toilette, befindet. Dort ist ein Schlauch dauerhaft angeschlossen, weil das Gewinde angerostet ist und zum Lösen und Anschliessen Werkzeug benötigt wird (falls notwendig: eine einfache Wasserpumpenzange genügt. Diese befindet sich normalerweise im Küchenschaft in einer der kleinen Schubladen). An diesem nur wenige Meter langen Schlauch wird der eigentliche Wassertransportschlauch angeschlossen, der von der Sammelstelle oberhalb der Strasse, gleich links vom Bach, herkommt. Aus diesem Schlauch sollte Wasser fliessen. Falls nicht, muss die Wasserfassung unter dem Deckel gleich oberhalb der Strasse links vom Bach überprüft werden.
Die beiden Schläuche müssen ineinandergeschraubt werden.
Mit diesem Wasser wird, wenn der Wasserdruck hoch genug ist, der Toilettenkasten gefüllt, aber auch der Wasserhahn in der Toilette und unten in der Küche gespeist.
Es kann gut sein, dass Verschmutzungen im Röhrensystem einen guten Wasserfluss verhindern. Normalerweise genügt es, die Hahnen abzuschrauben, zu reinigen, und wieder einzusetzen, um das Wasser wieder zum fliessen zu bringen.
Inbetriebnahme der Holzheizung
Brennholz für den Kachelofen in der Stube befindet sich entweder unter der Treppe, oder dann drüben im Stall.
Achtung: Keinesfalls vergessen, den Schieber im Kaminrohr zu öffnen. Anderenfalls wird der ganze Raum beim Anzünden des Ofens komplett verraucht.
Inbetriebnahme der Gasheizung
Eine Gasflasche kann in den Gasofen gestellt und angeschlossen werden. Zur Inbetriebnahme des Gasofens wie folgt vorgehen:
- Ventil der Gasflasche öffnen
- Stellhebel des Gasofens in Stellung “1” drehen und gedrückt halten
- Mit einem Feuerzeug die Anzündflamme vorne unten im Gasofen entzünden
- Es werden Flammenzungen über die gesamte vordere Fläche des Ofens (der Katalysatoroberfläche) laufen. Davon bitte nicht erschrecken, das ist normal und muss so sein.
- Nachdem mehrmals die Flammenzungen über die Katalysatorfläche gelaufen sind, kann der Stellhebel losgelassen werden.
- Nach Wunsch, den Stellhebel des Gasofens in Stellung 2 oder 3 bewegen, wobei 3 die stärkste Heizkraft bedeutet.
Inbetriebnahme des Gas-Kochherds
Eine Gasflasche muss an den Anschlussschlauch der Herdplatten in der Küche angeschlossen werden. Das Ventil der Gasflasche öffnen, danach können die Kochplatten wie bei Gasherden üblich angedreht und angezündet werden.
Inbetriebnahme der elektrischen Anlage
Die elektrische Anlage des Hauses ist für Bastler hochinteressant. Es besteht aus einem 12V-Kreis, der von einer Autobatterie gespeist wird, und an den diverse Autolampen mit Schaltern angeschlossen sind. Diese dienen gut als Notbeleuchtung für nächtliche Gänge, aber durchaus auch zum Lesen am Abend.
Wenn mehr Licht benötigt wird, dann gibt es noch den 230V-Kreis, der
mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Notstromaggregates (im folgenden Generator genannt) betrieben wird. An diesen Kreis sind übliche 230V-Leuchten angeschlossen, aber auch ein Ladegerät für die Batterie.
Wichtig ist bei Ankunft im Haus erst mal, dass der Hauptschalter im Technikraum eingeschaltet wird, sowie eventuell der Schalter im Korridor im oberen Stock. Ausserdem sollte der Zustand der im Technikraum installierten Autobatterie kontrolliert und eventuell Batterieflüssigkeit nachgefüllt werden (ausschliesslich destilliertes Wasser verwenden!)
Aufenthalt im Haus
Gartengrill
Im Garten ist ein Grill aus alten Schamottsteinen aufgebaut. Diesen darf man gerne jederzeit benutzen zum Grillieren von Fleisch aller Art. Holzkohle und Zündwürfel befinden sich entweder im Technikraum (hinter der Treppe, unter dem WC) oder im Vorratsraum (hinter der Küche).
Verbrauchte Kohle vom Grill kann hinter dem Haus in die Büsche verteilt werden. Achtung: Die Kohle muss unbedingt kalt sein und darf keinesfalls mehr Glut aufweisen.
Gasverbrauch
Wir empfehlen, bei leeren Gasflaschen die über den Flaschenhals gestülpte Plastikfolie mit Produkteinformationen zu entfernen. Auf diese Weise lässt sich jederzeit mit einem Blick feststellen, welche Gasflaschen voll und welche verbraucht sind. So weiss man am Ende des Aufenthaltes, welche Gasflaschen ausgetauscht werden müssen.
Benutzung der elektrischen Anlage
Solange die Batterie nicht entladen ist, können jederzeit die 12V-Lämpchen für kleinere Beleuchtungsaufgaben benützt werden, aber auch das Radio in der Stube funktioniert dann bestens.
Ausserdem stehen an vielen Orten im Haus bewegliche Taschenlampen und fest montierte Notlampen zur Verfügung. Verbrauchte Batterien bitte austauschen!
Der Generator liefert eine Leistung von 2500 Watt und taugt daher bestens für den Betrieb eines Staubsaugers sowie diverser elektrischer Geräte wie etwa einer Motorsäge oder eines Rasentrimmers. Bei vollem Tank (ungefähr ein Liter Bleifreibenzin 95) läuft dieser Generator etwa drei Stunden lang. Dieser Generator bietet sich an für “schwerere Arbeiten” (wie Staubsaugen) und für angenehm starkes Licht am Abend.
Der Generator sollte ausschliesslich auf dem Podest vor dem “Technikraum” (hinter der Treppe bzw. unter der Toilette gelegen) betrieben werden und zwar so, dass der Auspuff vom Haus weg zeigt. So ist sichergestellt, dass sich das Abgas gut verteilt. Das passende Stromanschlusskabel muss durch das kleine Fenster in den Technikraum geführt und dort in die entsprechende Steckdose auf der Schalttafel gesteckt werden. Achtung: Gefahr eines Stromschlags! Nicht einstecken/umstecken während der Generator läuft, sondern nur wenn er stillsteht.
Verlassen des Hauses
Beim Verlassen des Hauses müssen ein paar Dinge beachtet werden. Diese sind besonders dann wichtig, wenn anschliessend das Haus für längere Zeit nicht mehr besucht wird. Ganz besonders wichtig ist es, wenn vor dem Winter niemand mehr kommt. Und da wir selten zum voraus wissen, wann genau wir wiederkommen, wird das Haus am Besten bei jedem Abschied wintertauglich gemacht.
Auffüllen von Vorräten
Für die Wintertauglichkeit, aber auch ganz generell dem nächsten Gast zuliebe, sollten bitte folgende Vorräte jeweils aufgefüllt werden, bevor das Haus verlassen wird:
- Alle leeren Gasflaschen austauschen (am besten unten in Ilanz beim Eisenwarenhändler Zinsli, gleich vor dem Rathaus rechts)
- Benzinkanister auffüllen (mit “Benzin 95″ oder “Generator-Benzin” beschriftete Kunststoffkanister. Am besten unten in Ilanz an der dortigen Tankstelle. Es wird handelsübliches bleifreies Normalbenzin mit 95 Oktan benötigt)
- Mehrere Sixpacks (z.b. 18 Flaschen) 1.5-Liter-Wasserflaschen (ohne Kohlensäure!) in den Vorratsraum hinter der Küche stellen, vorzugsweise frostsicher gelagert (etwa in einer Styropor-Kiste). Im Winter ist alles fliessende Wasser gefroren, da ist man auf alles frostsicher vorhandene Wasser angewiesen, wenn man nicht mühsam Schnee schmelzen will.
- Vorrat an Grill-Briketts und Anzündhilfen auffüllen.
- Verbrauchte Batterien in Notleuchten und Taschenlampen ersetzen.
- Brennholz auf die richtige Grösse hacken/zuschneiden und unter der Treppe stapeln.
- Kleinen Vorrat an unverderblichen Esswaren für mindestens eine Mahlzeit für 4 Personen sicherstellen, etwa so:
- min. 1 Kg Spaghetti oder sonstige Teigwaren
- min. 1 Büchse Pelati 400g
- min. 500g Kaffeepulver (geeignet für Schraub-Espressomaschine)
- Salz (geschützt vor Feuchtigkeit verpackt)
- Zucker (geschützt vor Feuchtigkeit verpackt)
Ausserbetriebnahme der elektrischen Anlage
Die Batterie sollte aufgeladen sein wenn man das Haus verlässt. Ausserdem müssen die Tanks der Notstromaggregate leer sein, weil sich Benzin bei längerer Lagerung etwas entmischt und somit schlechter als Treibstoff taugt. Deshalb:
- Notstromaggregat anwerfen und leerlaufen lassen.
- Den dabei erzeugten Strom zum Aufladen der Batterie benutzen (also das Verbindungskabel zwischen Schalttafel im Haus und Notstromaggregat einstecken).
- Danach: Hauptschalter im Technikraum unter der Schalttafel ausschalten (siehe Inbetriebnahme der elektrischen Anlage), damit kein unbeabsichtigter Verbraucher, etwa die Senderspeicherfunktion des Radios in der Stube, während wochen– bis monatelanger Abwesenheit die Batterie komplett entlädt.
Ausserbetriebnahme der Heizung
Niemals brennende Öfen zurücklassen!
Holzofen: Sicherstellen, dass keine Glut mehr im Kachelofen in der Stube glimmt. Aschenfach leeren, Asche entsorgen.
Gas: Gasofen abstellen, Herdplatten abstellen, alle Ventile von allen benützten Gasflaschen gut schliessen (aber nicht mit Gewalt zuwürgen, sonst gehen die Gewinde kaputt! Nur flüssig mit der Hand zudrehen, bis der Hahn spürbar zu ist. Das genügt).
Ausserbetriebnahme der Wasserversorgung
Der Versorgungsschlauch muss vom Hausanschlussschlauch getrennt werden. Diese Trennstelle befindet sich hinter dem Haus, etwa zwei Meter ausserhalb der Toilette. Foto siehe oben unter Anschliessen der Wasserversorgung. Das aus dem Vorsorgungsschlauch fliessende Wasser darf einfach in den Boden fliessen. Das stört nicht weiter.
Anschliessend sollte das Wasserröhrensystem im Haus geleert werden, damit bei Frost nichts kaputt geht. Das heisst: In der Toilette die Spülung betätigen, unten in der Küche den Hahnen öffnen und das Wasser aus den Röhren fliessen lassen.
Entsorgung und Recycling
Bitte nehmt euren Abfall wieder mit, beziehungsweise entsorgt ihn wie folgt:
- Verbrauchte Kohle vom Grill kann hinter dem Haus in die Büsche verteilt werden. Achtung: Die Kohle muss unbedingt kalt sein und darf keinesfalls mehr Glut aufweisen.
- Glas, Metall und PET kann auf dem gemeindeeigenen Sammelplatz beim Gemeindehaus in die angeschriebenen Behältnisse geworfen werden.
- Für Haushaltsabfall werden gebührenpflichtige Abfallsäcke der Region Surselva benötigt. Diese bekommt man auf der Gemeindeverwaltung oder in Läden in Ilanz, etwa im Migros. Meistens hinterlassen wir eine angefangene Rolle Abfallsäcke in einer der Schubladen im Küchenbuffett. Die vollen Abfallsäcke können beim Gemeindehaus im Abfallhäuschen deponiert werden.
- Verbrauchte Batterien, sonstigen Sondermüll oder weitere oben nicht aufgeführte Abfälle bitte nach Hause nehmen und dort vorschriftsgemäss entsorgen. Eventuell Rücksprache nehmen mit Kurt, Giuseppe oder mir.



